Ob unter einer Lawine vergraben, in die Luft gesprengt, oder verwurstet: Schweine habens nicht leicht. Wer Mitgefühl mit diesen geplagten Geschöpfen aufbringt, und eine oder mehrere dieser Todesarten verurteilt, muss sich einerseits mit Fragen der Ethik, andererseits aber auch mit der Logik herumschlagen.
Ein strikter Veganer wird sich leicht tun, neben dem sonntäglichen (oder täglichen) Schnitzelmassaker auch die anderen erwähnten Tötungsarten zu verurteilen. Interessanter wird der Fall, wenn Freunde der Leberkässemmel meinen, ein narkotisiertes Schwein im Schnee zu vergraben, um die Auswirkungen einer Lawine auf den Organismus untersuchen zu können, sei unmoralisch. Unter ethischen Gesichtspunkten durchaus vertretbar, mit der Logik haperts halt. Eine gängige Richtlinie für ethisches Verhalten ist es, kein Leid zuzufügen. Da in jedem dieser drei Fälle Leid zugefügt wird, bedarf es weiterer Parameter. Naheliegend sind sowohl die Unterscheidung im Ausmaß des Leides, als auch die Einstufung der Sinnhaftigkeit beziehungsweise des Gegenwertes des zugefügten Leides.
Die Frage die sich eigentlich stellt, die in allen mir bekannten Berichten zum Thema aber tunlichst umgangen wird, lautet: Ist es verwerflicher ein narkotisiertes Schwein im Schnee zu vergraben*, um aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse in Zukunft Menschleben retten zu können, oder Tiere massenhaft zu züchten und zu töten, weils so gut schmeckt?
*wahlweise ersetzbar durch: …ein narkotisiertes Schwein zu sprengen, um aufgrund der Erkenntnisse Menschen nach terroristischen Anschlägen besser versorgen zu können,…
Es gibt viele Richtungen, diese Frage anzugehen. Eine wäre, zu sagen, Tiere haben keine Seele, und man kann mit ihnen tun, was man will. Solange mir aber nicht endlich jemand erklärt, was die Seele ist, gehe ich davon aus, dass ich mir über dieses sogenannte Argument keine Gedanken machen muss. (Sondern bleibe bei meiner Intuition, dass die Seele eine Metapher für eine Fähigkeit oder Eigenschaft ist, die sowohl Menschen wie Tiere haben, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung.)
Die nächste Richtung, quasi die Geisterfahrerrichtung für die religiös Verblendeten, wäre die evolutionäre. Da könnte man sagen: Der Mensch hat sich bis ins Jahre 2010 durch das Fressen von Blumen [ http://www.youtube.com/watch?v=mAlnUsXoFMs ] und Fleisch gerettet, ist aber auf zweiteres schon länger nicht mehr angewiesen. Dass es aber aus evolutionärer Sicht keine Notwendigkeit gibt, Fleisch zu essen, ist aber kein Grund, die nicht trotzdem zu tun. Bloggen ist auch nicht notwendig. (Und verursacht vielleicht auch Leid!)
Und nun die Konstruktionsebene, mit deren Relevanz-Rechtfertigung die Geisteswissenschafter ihre Fundings absichern, im Fallbeispiel des armen Schweins: Moral & (Tier-)Ethik. Im Prinzip läuft es darauf hinaus, was die Mehrheit als ‘gut’ empfindet, und dies schlägt sich in der Gesetzgebung nieder.
Die strikte Logik ist immer ein Problem im echten Leben, denn irgendwo muss ich immer eine Linie ziehen, und die Begründung, wo ich die Linie ziehe erfolgt immer einer übergeordneten Logik, die erst wieder willkürlich ist. Mehr dazu in einem eigenen Beitrag.
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